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VuF Geschichte Israels und biblische Geschichtskonzepte

Autor/Herausgeber:

F. Hartenstein

Publikationsart: Sammelband
Erscheinungsdatum: 01.01.2008
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
ISBN: 03422410
Seiten/Umfang: 87 S.
Aus der Reihe: Verkündigung und Forschung

Kurzbeschreibung

VuF Geschichte Israels und biblische Geschichtskonzepte

Für Außenstehende muss die neuere Debatte zur Geschichte Israels in vielem schwer nachvollziehbar, zugleich aber auch höchst aufregend erscheinen. Denn das einst im Studium erlernte Wissen, wie das antike Israel entstanden ist, erscheint im Licht gegenwärtiger Forschung in vielem korrekturbedürftig und überholt. So ist Israel mit Sicherheit nicht von außen als Volk geschlossen in Palästina eingewandert, sondern hat sich im Land aus verschiedenen Gruppen entwickelt (wobei der Zuzug neuer Elemente nicht ausgeschlossen werden kann). Ob Israel unter Saul und David ein früher Staat gewesen ist oder ob man erst ab dem 9. Jh. v.Chr. (im Norden) und ab dem 8. Jh. v.Chr. (im Süden) von einem Staat sprechen sollte, ist umstritten. Die glanzvolle Epoche Salomos hat es jedenfalls nie in der in 1 Kön 1–11 geschilderten Weise gegeben. Das sind nur einige der Punkte, die leicht erweitert und ergänzt werden könnten. Vor allem archäologische Befunde aus Palästina, gewonnen anhand von Oberflächenuntersuchungen, Grabungen und Artefakten aus dem Kunsthandel, haben das Bild der materiellen und ideellen Kultur des alten Israel nachhaltig verändert. Auch die immer genauer erschlossenen Zeugnisse des Alten Orients, Ägyptens und der Ägäis tragen ihren Teil zur Neubewertung der Entstehung des Volkes der Bibel bei. Mit der Fülle neuer archäologischer und inschriftlich gewonnener Einsichten geht (vor allem) in der deutschsprachigen Forschung ein Trend zur Spätdatierung der alttestamentlichen Literaturwerke einher. Die angenommene Entstehungszeit einer Schrift und die in ihr erzählte Zeit liegen heute zumeist weit auseinander. Das macht die Auswertung der Bibel als Geschichtsquelle schwieriger, als dies noch vor einer oder zwei Forschergenerationen der Fall war. Die Diskussion spitzt sich deshalb auf methodisch-hermeneutische Alternativen in der Beurteilung der Quellen zu: a) Kann man der hebräischen Bibel überhaupt noch einen Wert für die Frage nach der Geschichte Israels zuschreiben? Oder sind deren Texte überwiegend als Produkte später Geschichtsfiktion zu verstehen? (Als Idealbilder früherer Ereignisse, die die eigene Gegenwart der persischen und hellenistischen Zeit beleuchten sollen.) Wie sieht eine „Geschichte Israels“ aus, die die Bibel als Quelle einklammert bzw. ganz auf sie verzichtet? Welche Faktoren der Lebenswelt des antiken Palästina nimmt ein vor allem aus archäologischen Quellen entwickelter Geschichtsentwurf wahr? b) Auf der anderen Seite wird der Einwand laut, dass eine Geschichte Israels ohne Bezug auf die Bibel kein sinnvoller Gegenstand historischer Rekonstruktion sein kann. Jede wissenschaftliche Bemühung um ein Verständnis der Kultur Israels und des antiken Judentums kann an den biblischen Texten gar nicht vorbeigehen. Die Frage ist aber, ob man ihnen mit einer Grundhaltung des Vertrauens oder des Misstrauens begegnet. Die Bibel im Ganzen unter Generalverdacht zu stellen, erscheint als gewollt. Selbstverständlich muss der historische Wert 2 jedes Textes möglichst genau mit den zur Verfügung stehenden methodischen Mitteln erhoben werden. ...